Lightroom – die digitale Dunkelkammer
Bildbearbeitung? Photoshop! Über Jahre hinweg etabliert, längst Industriestandard und im Grunde konkurrenzlos – man könnte denken, es gäbe keine andere Software für diesen Zweck. Sogar außerhalb des grafischen Gewerbes ist Photoshop trotz seines doch nicht gerade unerheblichen Preises selbst den meisten Privatanwendern bereits seit langem ein Begriff. Will man Bilder und Fotos bearbeiten, so scheint kein Weg an Adobes Branchenprimus vorbeizuführen. Und man muss zugeben: genau genommen ist diese Aussage auch so falsch nicht. Für jede Form von aufwändiger Bildbearbeitung und detaillierter Retuschearbeit ist und bleibt Photoshop einfach die erste Wahl. Punkt.
Dennoch lohnt sich ein Blick über den Tellerrand, denn nicht immer ist zwangsläufig von “aufwändiger Retusche” die Rede, wenn salopp von “Bildbearbeitung” gesprochen wird.
Mit Bildbearbeitung kann ebenso nur das Entwickeln von digitalen Negativen sowie die anschließende allgemeine Optimierung des Bildmaterials gemeint sein, wie sie jeder Gestalter durchführt, bevor er ein Foto in einem Medienprodukt einsetzt. Also beispielsweise die Erhöhung des Kontrastes und der Sättigung, oder die Anpassung von Helligkeit und Weißabgleich, um nur ein paar gängige Beispiele zu nennen. Selbstverständlich sind solche einfachen Korrekturen auch mit Photoshop problemlos möglich – jedoch spätestens bei einer großen Anzahl von Aufnahmen mitunter doch sehr zeitintensiv.
An diesem Punkt setzt nun Lightroom an, ebenfalls aus dem Hause Adobe. Genau genommen hört das Programm auf den im ersten Moment eventuell etwas verwirrend klingenden Namen Adobe Photoshop Lightroom – was allerdings schon anklingen lässt, dass es sich hier nicht um eine Konkurrenz aus den eigenen Reihen, sondern viel mehr einen “Zuarbeiter” für Photoshop handelt. Keine “abgespeckte” Version wie das ebenfalls erhältliche Photoshop Elements, sondern ein völlig eigenständiges Programm verbirgt sich hinter dem Namen Lightroom.
Bereits 2007 brachte Adobe Lightroom auf den Markt, um jedem, der mit großen Mengen an Bildmaterial zu tun hat, ein adäquates Werkzeug zur Verwaltung, Organisation, Optimierung und Präsentation von Bilddaten bieten zu können – und dieses Ziel wurde definitiv erreicht. Bereits seit der Beta-Phase bin ich nun begeistert von Lightroom, das mittlerweile (September 2011) in der Version 3.4.1 verfügbar ist und im Vergleich zur ersten Version noch um eine ganze Reihe sehr praktischer Funktionen erweitert wurde. Aus meinem alltäglichen Arbeitsablauf ist es für mich längst nicht mehr wegzudenken.
Um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Adobe Photoshop Lightroom erlaubt es, selbst sehr große Bestände an digitalem Bildmaterial äußerst komfortabel zu verwalten, in einem gewissen Umfang zu bearbeiten und anschließend für eine Präsentation oder die weitere Bearbeitung – beispielsweise mit Photoshop – bereitzustellen. Da es von Anfang an für große Mengen an Bildern optimiert wurde, bietet es sehr komfortable Funktionen zur Handhabung und Sortierung von selbst sehr umfangreichen Datenbeständen.
Ebenso zeichnet es sich besonders dadurch aus, dass Korrekturen im Handumdrehen auf eine beliebig große Auswahl von Bildern angewendet werden können. In der Praxis bedeutet dies: habe ich im Studio zweihundert Produktaufnahmen mit jeweils ähnlichem Lichtaufbau erstellt, muss ich Kontrast, Sättigung, Belichtung, etc. lediglich an einem Bild anpassen – und kann diese Anpassungen anschließend mit nur wenigen Klicks automatisiert auf alle weiteren Aufnahmen anwenden. Eine klassische Sachlage aus dem Arbeitsalltag, wie sie mit Photoshop zwar sicherlich ebenso lösbar ist, mit Lightroom jedoch deutlich weniger Aufwand verursachen würde.
Einige gute Gründe, weshalb man Lightroom unbedingt zumindest ausprobiert haben sollte:
- Lightroom arbeitet völlig verlustfrei.
Die eingelesenen Bilddaten bleiben in ihrem Ausgangszustand erhalten, Korrekturen und Anpassungen werden unabhängig von den eigentlichen Bilddateien abgelegt und können bei Bedarf jederzeit Schritt für Schritt rückgängig gemacht werden. - Lightroom macht diverse RAW-Konverter überflüssig.
Nikon, Canon, Sony… jeder Hersteller nutzt sein eigenes Rohdatenformat und bietet dementsprechend auch seine eigene Konverter-Software an, um digitale Negative entwickeln zu können. Wer mit zwei oder mehr Kameras unterschiedlicher Hersteller fotografiert oder oft mit fremden Bildmaterial arbeiten muss, hat es schnell satt, für jeden Hersteller den passenden, aktuellen Konverter parat zu haben. Lightroom hat all diese Konverter standardmäßig integriert und ermöglicht die Entwicklung von RAW-Dateien unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche. Neue Kameramodelle werden sehr zeitnah automatisch über Updates ergänzt. - Lightroom bietet eine sehr eingängige Benutzeroberfläche.
Lightrooom ist aufgeteilt in die selbsterklärenden Hauptbereiche Bibliothek, Entwickeln, Diashow, Drucken und Web, wodurch man sich auch ohne aufwändige Einarbeitung sofort zurecht findet. Die einzelnen Werkzeuge innerhalb der Kategorien sind dann ebenfalls sehr übersichtlich angeordnet. Alles ist dort, wo man es intuitiv vermutet. - Lightroom macht Bilder greifbar.
Ordnerstrukturen lassen sich direkt abbilden, Bilddaten können direkt beim Import in den Lightroom-Katalog mit beliebigen Tags versehen werden, nach denen später bei Bedarf gezielt gesucht werden kann. Zudem ist es möglich, Bilder farblich zu markieren oder zu bewerten, um sie anschließend entsprechend sortiert angezeigt zu bekommen. - Lightroom macht Korrekturen an vielen Bildern gleichzeitig möglich.
Wie eingangs bereits beschrieben können einem Bild vorgenommene Korrekturen mit wenigen Klicks auf beliebig viele weitere Bilder übernommen werden. Selbst große Mengen an Bildern könne so in kürzester Zeit für die weitere Verwendung aufbereitet werden. - Lightroom bändigt auch große Massen an Bildern.
Durch 64bit-Unterstützung und mittlerweile mehrjährige Optimierung bleibt Lightroom selbst mit einem sehr umfangreichen Katalog noch immer sehr performant und gut bedienbar. - Lightroom bietet eine sehr gute Rauschreduzierung.
Durch hohe ISO-Werte bei schlechten Lichtverhältnissen mitunter verursachtes Bildrauschen kann mit Lightroom je nach Stärke bis zu einem gewissen Grad reduziert werden – in beeindruckendem Umfang. Vorher benötigte, zusätzliche Software für diesen Zweck ist dementsprechend überflüssig. - Lightroom verfügt über eine Datenbank zur Objektivkorrektur.
Neben der Kameradatenbank für die Entwicklung der herstellerspezifischen RAW-Daten verfügt Lightroom ebenfalls über einen sehr umfangreichen Katalog mit Profilen zu sämtlichen verfügbaren DSLR-Objektiven. In diesen Objektivprofilen sind Daten zu möglichen Defiziten der Objektive wie Verzerrung oder Verzeichnung hinterlegt, die bei Aktivierung des von Lightroom jeweils automatisch erkannten Profils aus der Ausnahme herausgerechnet werden können. - Lightroom kann sich Entwicklungseinstellungen “merken”.
Besonders gute oder häufig genutzte Entwicklungseinstellungen können einfach abgelegt und bei Bedarf mit nur einem Klick erneut auf weitere Bilder angewandt werden. Wer regelmäßig mit ähnlichen Aufnahmen – beispielsweise Produktfotografien aus dem Studio – zu tun hat, wird diese Möglichkeit und die daraus resultierende Zeitersparnis sehr zu schätzen wissen. - Lightroom erlaubt die einfache Präsentation von Bildern.
Mit nur wenigen Klicks kann aus einer Auswahl von Bildern heraus eine Diashow zu Präsentationszwecken erstellt werden. Ebenso lässt sich eine Webgalerie erzeugen, die abgelegt auf einem Webserver die gewünschten Aufnahmen online einsehbar macht. Das Layout ist hierbei jeweils selbstverständlich anpassbar. - Lightroom ist eng mit Photoshop verknüpft.
In Lightroom aufbereitete Fotos können direkt in Photoshop geöffnet und dort weiter bearbeitet werden. Sämtliche Änderungen werden anschließend automatisch auch wieder in den Lightroom übernommen.
Diese Auflistung von äußerst praktischen Funktionen könnte noch beinahe beliebig lang fortgesetzt werden, so umfangreiche und dennoch rundum benutzerfreundlich präsentiert sich Lightroom. Für den Moment sollen diese Punkte nun jedoch ausreichen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und abzuwägen, ob Lightroom nicht doch mal einen Blick wert wäre. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden damit, nutze es beinahe täglich und kann es jedem nur empfehlen, der ebenfalls oft mit großen Mengen von Bildern zu tun hat – sei es als professioneller Fotograf oder Gestalter oder aber auch privat als ambitionierter Hobbyfotograf.
Abschließend noch ein Wort zum Preis: Adobe Photoshop Lightroom ist – in direktem Vergleich zu Photoshop selbst – sehr preiswert. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 296€ für die aktuelle Version 3 liegt es zwar durchaus auf Höhe einer ordentlichen digitalen Kompaktkamera, in Anbetracht des enormen Funktionsumfangs und der resultierenden Zeitersparnis sind die knapp dreihundert Euro hier jedoch wirklich sehr gut angelegt.
Wer nicht sofort blind investieren möchte, dem steht zudem direkt auf der Adobe Website eine kostenlose Testversion zur Verfügung, mit der Lightroom 30 Tage lang mit vollem Funktionsumfang bis ins Details getestet werden kann.
Diese Artikel soll einen groben Überblick über die vielen Vorteile im Umgang mit Adobe Photoshop Lightroom bieten – und bei all jenen, die das Programm bisher noch nicht kannten, etwas Interesse wecken. In weiteren, folgenden Artikeln möchte ich einzelnen Funktionen und Vorgehensweisen im Umgang mit Lightroom im Detail vorstellen. Falls Wünsche zu konkreten Themen existieren, so freue ich mich über eine kurze Nachricht und werde alle Vorschläge nach Möglichkeit gerne berücksichtigen. Über Anmerkungen und eigene Erfahrungsberichte in Form von Kommentaren freue ich mich selbstverständlich auch sehr!



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